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Diese kleine Reise, die als Sternfahrt strukturiert ist, führt – ausgehend von Bordeaux – in Gebiete, die oft wirken, als wäre die gesamte Landschaft ein riesiger englischer Garten. Nirgendwo ist die französische Provinz lieblicher und malerischer. Es liegt wohl an der Entfernung zu Paris und der seit Jahrhunderten zentralistischen Struktur Frankreichs, daß der Südwesten auch im 21. Jh. immer noch ein touristischer Geheimtip ist. Das Agglomerationsgebiet von Bordeaux hat über eine Million Einwohner, davon viele Studenten, und verfolgt inzwischen seit einem Vierteljahrhundert beharrlich ein umfassendes Stadterneuerungsprojekt, bei dem sich historisches Erbe und die sensible Neubebauung früherer Industrieflächen am "anderen" Ufer der Garonne harmonisch verbinden. Bordeaux aber auch La Rochelle und selbst Orte im Hinterland wie Périgueux verdanken ihren historischen Wohlstand u. a. dem sog. Atlantischen Dreieckshandel: Die Handelsschiffe fuhren von Europa aus mit Waffen, Rohmetall, Tuch und Glasperlen nach Westafrika, tauschte die Ladung gegen Sklaven, segelten weiter in die Karibik, wo vom Erlös der Sklaven Rohrzucker, Rum und Baumwolle erworben wurden und segelten damit zurück nach Europa, wo die Ladung auf dem europäischen Markt gewinnbringend verkauft wurde. Unsere Fahrten in die Umgebung führen in kleine freundliche Städte, die im Zentrum meist ihr mittelalterliches Gesicht (und seitdem auch ihre Funktion als Etappenziele an den Armen des Jakobswegs) behalten haben und in denen wir zahlreiche prächtige Kirchen, Abteien und Burgen besichtigen können. Nicht zu vergessen ist in diesem Zusammenhang, dass Küche und Keller überall in dieser Region Außerordentliches bieten können. Die guten Böden und das milde südliche Klima mit ausreichender Feuchtigkeit vom nahen Atlantik sorgen für exzellente Agrarprodukte, das Meer liefert zudem fangfrische Fische und hervorragende Austern.

1. Tag: Flug Wien – Bordeaux. Die Stadt an einer Schleife der Garonne kann auf eine lange wechselvolle Geschichte zurückblicken. Schon in der Antike waren sowohl die günstige Lage des Hafens wie auch der Weinbau in der Umgebung Grund für eine jahrhundertelange Blütezeit. Während der Völkerwanderungszeit und des frühen Mittelalters gaben einander Westgoten, Franken, Mauren und Normannen die Klinke des Stadttors in die Hand. Vom 12. bis zum 15. Jahrhundert stand Bordeaux (bzw. das ganze Fürstentum Guyenne) unter englischer Herrschaft und erlebte wieder eine Zeit der Prosperität. Von den Befestigungsanlagen und Sakralbauten dieser Zeit sind bedeutende Reste erhalten geblieben. Der "Rückfall" der Stadt 1453 an die Krone Frankreichs stellte sich tatsächlich als solcher heraus, weil dadurch die Handelsverbindungen mit England de facto gekappt wurden. Erst im 18. Jh. blühte wieder der Handel, diesmal insbesondere mit den Antillen. Die damalige Umgestaltung der Stadt kann als beispielgebender Vorläufer der Erneuerung von Paris durch Haussmann gesehen werden (der tatsächlich als junger Beamter einige Zeit in Bordeaux eingesetzt war). Im Wesentlichen wurde damals jenes Stadtbild geschaffen, das 2007 zur Aufnahme der Altstadt von Bordeaux unter der Bezeichnung "Historisches Zentrum von Bordeaux („Hafen des Mondes“)" in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes führte. Wir machen eine Stadtrundfahrt und besuchen im Rahmen eines Bummels im Zentrum die Kathedrale St. André, die Michaelskirche und das Palais Gallien. Letzteres war aber kein Herrschaftssitz sondern ist der Überrest eines römischen Amphitheaters aus dem 3. Jh., das Platz für ca. 15.000 Zuschauer hatte.
 
2. Tag: Rundfahrt nach Norden in die Saintonge, mit der Hauptstadt Saintes (ca. 25 TEW); der Name hat nichts mit Heiligkeiten zu tun, sondern erinnert an den gallischen Stamm, der hier siedelte, als die Römer das Land usurpierten, die Santonen. Die neuen Herren brachten den Weinanbau ins Gebiet und bauten ab 20 v. Chr. eine neue Stadt, genannt Mediolanum Santonum die zu ihren besten antiken Zeiten von etwa 15 TEW bewohnt wurde. Erhebliche Baureste haben überdauert. Wir sehen aus dieser Zeit die römische Arena und den Germanicusbogen. Aus der Zeit, zu der die Stadt eine bedeutender Knotenpunkt der französchen Jakobswege war, stehen noch die Kirchen St. Pierre und St. Eutrope sowie die Abtei Ste. Marie. Letztere ist ein romanischer Bau von außerordentlicher Schönheit. Unser nächstes Ziel ist La Rochelle (74 TEW), eine der schönsten Städte Frankreichs an der Atlantikküste. Der namensgebende "kleine Felsen" ist ein etwas erhöhtes Kalkfelsplateau innerhalb der Stadt, auf dem Besiedlungsspuren ab dem 4. Jh. gefunden wurden. Im 10. Jh. kam es zum Ausbau dieser Siedlung zu einer Stadt. Im 12. Jh. entdeckten die Tempelritter den Platz für sich und bauten ihn zum größten Hafen der Atlantikküste aus. Umgeschlagen wurde hauptsächlich Wein und Salz. Die Bedeutung des Hafens überdauerte ca. 200 Jahre lang die Vernichtung des Ordens (1312). In der Folge wurde La Rochelle eine Hochburg des Protestantismus und widerstand allen Einnahmeversuchen durch die katholische Liga. Es blieb eine Generation später Ludwig XIII. vorbehalten, die Stadt wegen Fraternisierens mit England auszuhungern. Der Hafen blieb auch danach höchst wichtig und diente den deutschen Besatzerrn im 2. Weltkrieg als U-Boot-Hafen. Ähnlich wie in Bordeaux gelang es der Stadtverwaltung bei Kriegsende durch Zusicherung freien Geleits der deutschen Truppen die Stadt unzerstört zu erhalten. Das gesamte Stadtzentrum ist ein einziges Schatzkästchen mit Arkadengängen und überdachten Passagen, bis zu 400 Jahre alten Häusern und Palais, einem pompösen Rathaus im Renaissance-Stil und einer gut erhaltenen türmebewehrten Hafenbefestigung und Stadtmauer, an der auch Vauban mitgeplant hat.

3. Tag: Rundfahrt durch die wunderschöne Landschaft der Dordogne mit ihren beeindruckenden Burgen. Typisch für dieses Departement ist die große Zahl von troglodytischen Bauten (auf gut Deutsch: Wohnhöhlen). In modernen Zeiten ist diese Wohnform im allgemeinen eher selten; nicht so in der Dordogne. Die Sache hier hat übrigens Tradition: Es wurde eine große Zahl von steinzeitlichen Wohnhöhlen, teilweise innen mit Tierdarstellungen bemalt, entdeckt. Die bekannteste davon ist Lascaux in der Nähe des Örtchens Montignac. Allerdings ist die Originalhöhle nur noch für Wissenschaftler (und politisches Personal) zu besichtigen, es wurde jedoch gleich vor Ort eine detailgetreue Nachbildung der Höhle erichtet, die im Jahr etwa 250.000 Besucher anzieht. Stop in Les Eyzies; das Dorf hat zwar nicht einmal 1.000 Einwohner aber immerhin ein "Musée National de la Préhistoire", in dem zahlreiche prähistorischen Funde aus den umliegenden Fundstätten gezeigt werden. Danach kommen wir nach Périgueux (30 TEW) und machen einen Stadtspaziergang. Von der antiken Römerstadt sind lediglich das Skelett eines großen Rundturms und unbedeutende Reste eines Amphitheaters sowie der Stadtmauer erhalten. 500 m von diesem Siedlungskern wurde im 9. Jh. eine Kapelle über der Grabstätte eines Lokalheiligen, des St. Front gebaut, die sich bald zu einem Wallfahrtszentrum und einer Jakobspilger-Station entwickelte. Dementsprechend entwickelte sich der Kirchenbau: Die Kapelle machte einer ausladenden romanischen Basilika Platz; ein für die damalige Zeit gewaltiger Bau, der noch heute durch seine harmonischen Formen und seine Ausmaße überrascht – inzwischen die Kathedrale St. Front (12. Jh.).  Erst 1240 vereinigten sich die beiden Siedlungen zur Stadt Périgueux. Nach zwischenzeitlichem Bedeutungsverlust und wirtschaftlichem Zusammenbruch des Weinbaus infolge der Reblaus hat sich Périgueux im 20. Jh. wieder aufgerappelt. Die historische Bausubstanz im Zentrum wurde sorgfältig restauriert und renoviert; die Stadt stieg "als Teil des Weltkulturerbes „Jakobsweg in Frankreich“"zu UNESCO-Ehren auf und der Tourismus, der sich dadurch bald einstellte, rechtfertigt nachträglich die Investitionen und Bemühungen. Auf der Rückreise nach Bordeux Weinverkostung in einem der berühmten Weingüter.
 
4. Tag: Zuerst machen wir einen Halt im Weiler Brantôme. Der historische Stadtkern liegt auf einem – im 9. Jh. künstlich geschaffenen – Inselchen inmitten des Flusses Dronne. Das hat dem Ort den Beinanmen "Venedig des Périgord" eingetragen. Planer dieser Insel waren Benediktinermönche, die sich am Fuß einer überhängenden Felswand am Fluss niedergelassen hatten. Das Kloster hatte zwar mehrmals in seiner Geschichte Plünderungen und Zerstörungen über sich ergehen lassen müssen, besteht jedoch immer noch. Das Konventsgebäude ist ein großer Barockbau, die Kirche jedoch hat auch gotische Teile und weist vor allem einen monumentalen Glockenturm aus dem 11. Jh. auf. Dann  führt unsere Route nach Angoulême, Departementhauptstadt mit 42 TEW. Inmitten einer auch hier sehr gut erhaltenen Altstadt wartet die herrliche spätromanische Kathedrale St. Pierre. Sie ist ein hervorragendes Beispiel der sogenannten „Périgord-Schule“. Besonderheit dieser typischen Bauform ist die Überwölbung des Langhauses mit einer Reihe von Kuppeln. Letzte Station des Tages ist die Kleinstadt Cognac. Die Römer hatten zwar den Weinanbau in die Region gebracht, aber an dieser Stelle keine eigene Siedlung gegründet. Noch im Mittelalter waren der Anbau und Handel von Wein (Verschiffung über die Charente) Haupteinnahmequelle der Bürger. Ab dem 12. Jh. wurde auch der Weinbrand, der inzwischen den Namen der Stadt weltweit bekannt gemacht hat, ein Exportprodukt. Es hat durchaus symbolische Bedeutung, dass das alte Schloss, das einst den Königen Frankreichs gehörte, im 19. Jh. zur Cognac-Brennerei umgebaut und von den neuen Besitzern später restauriert wurde (klassiert als Monument historique). Wir besuchen eine Brennerei. Anschließend zurück nach Bordeaux.

5. Tag: Am Vormittag Rückflug nach Wien.

Termin:

Termine sind in Vorbereitung!

Reiseleitung: Adrian Vonwiller

Pauschalpreis: € 1.100,–

Inbegriffen:
die Linienflüge Wien – Bordeaux – Wien (Europe Airpost)
die Flughafen- und Sicherheitsgebühren
die Ausflugs- und Transferfahrten mit modernem Reisebus
die Nächtigungen in Zweibettzimmern in guten Hotels (Du/WC oder Bad/WC)
die Halbpension (Abendessen / Frühstück)
die Besichtigungen mit den Führungen und Erklärungen
wo erforderlich die Betreuung durch lokale BegleiterInnen
die qualifizierte Studienreiseleitung durch einen Akademiker oder anderen Fachmann

Einbettzimmerzuschlag pro Nacht: € 50,– (vier Nächte)

Teilnehmerzahl: mindestens 10, höchstens 25 Personen

Es gelten die Allgemeinen Reisebedingungen in der letztgültigen Fassung unter Zusatz der auf der Rückseite unseres Anmeldebogens angeführten Punkte. Veranstalter-Nr. 2003/0011.